Thema: Überfordert in China., eröffnet am 17.1.2012, um 22.09 Uhr |
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Tomo User am 17.1.2012, um 22.09 Uhr |
Hallo ihr alle,
Ich war 8 Jahre alt und mein Bruder Pacco 5. Wir lebten damals nicht in Deutschland. Wir kommen von Sri Lanka, und haben am 26.12.2004 unsere komplette Familie, so viele Freunde und wichtige Personen verloren. Das kann sich denke ich niemand vorstellen, wie man sich nach so etwas fühlt. Aber wir waren nicht alleine mit diesem Schicksal. Da gab es immerhin eine Millionen andere Menschen denen es so ging. Mein Bruder und ich waren in der Schule, in unserem Ort wurden 4000 Menschen getötet, aber die Schule befand sich in günstiger Lage, wir konnten dabei zusehen wie die Welle unser Dorf innerhalb von Sekunden zerstörte und ausgerottet hat. Es wurden Camps für die obdachlosen Kinder eingerichtet, nach einiger Zeit war dann irgendwann klar, dass wir beide keine Verwandten mehr hatten, und wurden zur Adoption freigegeben. Meine ganzen Freunde kamen nach Amerika oder England. Wir zwei gehörten zu den wenigen deren Adoptiveltern Deutsche waren. Die zwei haben sogar noch mehr Kinder adoptiert gehabt, meine große Schwester ist aus Somalia und mein Bruder aus Kolumbien. Nahla ist 16 und José 17. Aufjedenfal habe ich mich nach 2 Jahren wirklich wohl gefühlt und wir waren eine sehr tolle Familie, auch wenn niemand so wirklich die gleiche Blutgruppe hatte und wir uns alles andere als ähnlich sehen. Ich habe Deutsch gelernt, meine neuen Eltern begonnen zu lieben. 2009, Pacco hatte Geburtstag, und sich einen Fußball gewünscht. Meine Eltern waren mit den Hunden draußen, er hat den Ball auf die andere Straßenseite geschossen und ist ihn sofort holen gelaufen. Wie in einem Film sah ich den weißen Transporter, der viel zu schnell in einer Spielstraße fuhr. Hupen, quietschende Reifen, krachen. Erstmal begann der Fahrer Fahrerflucht. Wie oft frage ich mich wie der Typ damit umgeht ihn überfahren zu haben. Danach bin ich zu meinem Bruder.. er war schon tot. Kein schöner Anblick, mein Bruder mit so viel Blut... mein richtiger Bruder, der Einzige der meine Sprache sprach und das gleiche erlebt hatte wie ich, er war doch der Einzige den ich noch hatte. Die Nachbarn kamen, ein Krankenwagen, irgendwann meine Eltern. Da habe ich das erste mal meinen Vater weinen sehen. Die nächsten Jahre haben die beiden so oft geweint und sich so oft gestritten. Und meine zwei Geschwister waren auch um einiges anders drauf. Ich war nie zuhause, weil ich es dort nichtmehr ausgehalten habe. Ich habe angefangen Drogen zu nehmen, bin erst von der Schule geflogen. Ich hatte Stress mit meiner Familie, Freunden und der Polizei. Ich hab eine Freundin gefunden, die mich aus der ganzen Scheiße rausgeholt hat. . Mir gings besser, ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern, einen neuen Freundeskreis, hätte jetzt zum nächsten Schuljahr auf ein Gymnasium gekonnt. Am 17.12 kam ich mal gut gelaunt aus der Schule. Bald Ferien, ich wollte mit einem Freund über Silvester Snowboarden gehen. Ich bog in unsere Straße ein, diese Straße in der vor Jahren mein Bruder überfahren wurde. Sie war abgesperrt. Um die Absperre, Menschenmengen und das was ich da sah, unser Haus, oder was davon übrig war. Abgebrannt, meine Mutter hat es da nichtmehr rausgeschafft. Und ich stehe da, sehe die zugedeckte Leiche, Feuerwehrmänner, Polizeipsychologen die mir helfen wollen. Nachbarn mit Tränen in den Augen die genau beobachten wie ich reagiere. Ich hab gar nicht reagiert ich konnte das nicht glauben. Ich saß auf dem Bordstein, mein Vater kam angefahren. Er riss die Tür noch im Fahren auf. Stürmte dahin, wo mal mein Zuhause war, sank auf die Knie und heulte richtig. Ich bin weggerannt hab ihn erst auf vor der Beerdigung wiedergesehen. Er sah schrecklich aus. Rote angeschwollte Augen und besoffen. Wir haben ihn gezwungen sich zu rasieren und einen Anzug anzuziehen.
Mir war einfach nur eines klar, ich habe jeden einzelnen Menschen den ich auf Sri Lanka kannte, meinen Bruder, mein Zuhause und schon 2 Mütter verloren. Von einen auf den anderen Moment. Ist normal, dass ich Angst habe, morgen den Nächsten zu verlieren, oder? Ich verstehe das nicht, wieso ich? Ich will nicht der sein, der übrig bleibt. Meinen Adoptivvater habe ich auch halb verloren, den kann man nichtmehr als Vater bezeichnen. Alles scheiße ungerecht. Nach der Beerdigung sind wir zu meinem Vater ins Hotel. Er nur so, wir ziehen um. Ja logisch... dann meinte er wir sollen uns von seinen Freunden verabschieden wir ziehen nach China. Also doch es kann ernsthaft noch schlimmer kommen. Das zog mir das letzte Stückchen Bodern unter meinen Füßen weg. Wie wir alle ausgerastet ist, aber wir hatten keine Wahl, wir mussten mit. Der zweite unerträgliche Heiligabend meines Lebens, da sind wir in Hong Kong gelandet. Über 8 Millionen Einwohner, ganz toll. Ich gehe zwar auf eine Deutsche Schule, habe kein Problem damit neue Leute kennenzulernen. Trotzdem das tut so weh jetzt auch noch meine zweite Adoptivmutter verloren zu haben und dann musste ich meine Freunde verlassen. Sie waren mir ernsthaft sehr wichtig. Ich bin verdammt alleine in dieser riesen Stadt die mich noch wahnsinnig macht. China! Da spricht man chinesisch... Und diese Schrift! Ich kann die Straßennamen, Buspläne überhaupt nichts lesen. Wir wohnen irgendwo in einem Wolkenkratzer, den ich täglich 2 Stunden nach der Schule suche. Alles sieht gleich aus, ich verlaufe mich jeden scheiß Tag! Alle Leute sehen gleich aus, ich kann diese scheiß Sprache nicht mehr hören. Chinesisch!! Wer will schon Chinesisch lernen, Deutsch lernen war schon scheiße genug?! Mich adden hier bei Facebook irgendwelche Typen, deren Namen ich nicht lesen kann. Ich kann nicht schlafen, es ist gleich 5 Uhr morgens... Das macht mich so wütend, diese Stadt ich habe längst aufgegeben mich anzupassen... Wieso tut mein Vater mir das an und nimmt diese Beförderung hier an. Ich will nach Hause, aber nein das ist mein Zuhause. Nahla und Joshi wollen auch nach Hause. Scheiß China mit diesen ganzen Leuten auf einem Haufen, ich kann mir nochnichtmal die Namen meiner Lehrer merken oder auch nur aussprechen. Was will ich hier ganz im Ernst! Vor unserem Hauseingang steht ein Mann der Schweinfüße und Insekten verkauft, heute in der Schulkantine gabs Hund. Ich meine ich kriegs nicht hin mit den Stäbchen, aber selbst wenn. Ich kann noch nicht mal Fernsehen. Wenn wir durch die Stadt laufen, fallen wir gleich so hart auf, ich als Schoko, meine Schwester ist fast schwarz und Joshi als Südamerikaner. Das macht uns nichts, aber Chinesen haben so komische Traditionen, für die ich mich auch nicht interessiere. Und mein Vater versagt vollkommen. Wenn einer einkauft oder putzt ist das einer von uns dreien. Wir müssen jeden Morgen die Schule finde, mein Vater ist wenn ich aufstehe schon weg, Abends kommt er wieder, sagt Hallo und arbeitet zuhause weiter. Arbeiten ist seine einzige Beschäftigung für die er irgendwie lebt. Er interessiert sich nicht für uns, wir sitzen mittlerweile kiffend im Wohnzimmer. Was sagt er dazu? Geht damit in eure Zimmer, bitte nicht im Wohnzimmer. Früher hätte der uns umgebracht! Ich will irgendwo anders hin. Ich hasse China! Ich schaffe es nicht mit den ganze Verlusten meines bisherigen Lebens klarzukommen. Dann auch noch sowas. Ich bin extrem überfordert! Ich weiß echt nicht mehr weiter, weil ich mit niemanden wirklich reden kann und mich das alles echt fertig macht. Jetzt habe ich mich auch noch viel zu sehr mit meinen Geschwistern gestritten. Durch unsere Situation sind wir sehr reizbar und dann wird aus einer kleinen Auseinandersetzung gleich so ein riesen Ding. Jetzt geht seit ein paar Tagen jeder seinen eigenen Weg durch diese scheiß Stadt.
Jetzt habe ich viel geschrieben.. vielleicht liest sich das hier ja jemand durch, ich könnte ein paar Ratschläge gebrauchen.
Viele Grüße, Tomo
 Der Beitrag wurde von Tomo am 17.1.2012, um 22.11 Uhr bearbeitet. |
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Lana SupervisorIn am 18.1.2012, um 14.43 Uhr |
Hallo Tomo,
vielen Dank, dass du hier ein neues Thema eröffnet und von deiner Situation erzählt hast. Mein Name ist Lana und ich bin eine der Beraterinnen hier. Es hört sich nach ziemlich viel Traurigem und Belastendem an, was du bisher erlebt hast.
Da wir im Moment sehr viele Anfragen haben, würde ich dich um etwas Geduld bitten, bis dir einer unserer Berater ausführlich antwortet. Ich hoffe, das ist okay für dich.
Viele Grüße
Lana
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Lana
SupervisorIn
YoungWings
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fidji91 User am 18.1.2012, um 18.53 Uhr |
Hallo Tomo,
ich glaube, ich kann nicht annähernd nachvollziehen, wie es dir gerade geht. Ich habe mit 18 meinen Vater verloren. Im selben Jahr sind dann noch einige Menschen gestorben, die mir sehr nahe standen, aber mit deiner Geschichte ist das kein Vergleich.
Ich kann mir vorstellen, dass es schrecklich sein muss, neben geliebten Menschen zweimal auch das gewohnte Umfeld zu verlieren und eine neue Sprache lernen zu müssen. (An dieser Stelle mein Respekt für deine Deutschkenntnisse!!!)
Wenn du jemanden zum schreiben brauchst, kannst du ,mir gerne schreiben...
LG
verliere bitte die Hoffnung nicht!
Fidji91
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Selbstpflücker User am 19.1.2012, um 13.10 Uhr |
Lieber Tomo,
ich habe deine Geschichte gelesen. Das sind wahnsinnige Belastungen, die du mit dir rumschleppen musst. Das tut mir so sehr leid, aber du klingst sehr tapfer und stark. Das ist so bemerkenswert! Du wirst das schaffen, da bin ich sicher!
Wie alt bist du jetzt? 15? Gibt es Menschen in Deutschland zu denen du könntest? Es wäre glaube ich sehr gut, wenn du eine Umgebung hast in der du dich wohlfühlst und die dir bekannt ist.
Kann es sein, dass ihr irgendwann wieder nach Deutschland geht? Also dein Vater?
Kannst du mit deinem Vater darüber sprechen? Oder ist er gar nicht mehr ansprechbar.
Ich wünsche dir total viel Kraft!
Sunna
...selbstbefreit auf dem Weg zum Meer...
 Der Beitrag wurde von Selbstpflücker am 19.1.2012, um 13.15 Uhr bearbeitet. |
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Monja FachberaterIn am 19.1.2012, um 18.57 Uhr |
Hallo Tomo,
wie ich sehe, hast du hier schon Antworten und Fragen von anderen Usern erhalten.
Ich werde dir an anderer Stelle ausführlicher schreiben und wünsche dir hier einen guten und kraftgebenden Austausch mit den anderen Usern.
Alles Liebe, Monja
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Monja
FachberaterIn
YoungWings
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Leonie User am 19.1.2012, um 22.31 Uhr |
Tomo, ich wollte dir nochmal sagen (wir kennen uns), dass wir dich alle wirklich bewundern und lieben, du fehlst uns. Und wir wollen, dass du dort drüben mit den ganzen kleinen Chinesen Spaß hast, haben wir ja besprochen wie du das anstellst. Du schaffst das, zieh aus deiner Situation bitte Vorteile, ich meine du bist Tomo, der beste Sri Lankaner;) den man so kennt. Hau rein da rechts. Ich will, dass du irgendwann wieder glücklich bist, also iss noch ein paar mehr Glückskekse.
Du schaffst das und gib ja nicht auf!
Das Leben zwingt uns in die Knie, aber wir haben die Wahl ob wir wieder aufstehen oder liegen bleiben.
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Tomo User am 20.1.2012, um 12.19 Uhr |
Danke für eure Antworten!
Fidji91, das deine Geschichte mit meiner kein Vergleich ist, kann sein, aber macht mir natürlich nichts aus. Tut mir leid mit deinem Vater, geliebte Menschen zu verlieren ist einfach nur scheiße, egal wie viele. Kommst du damit klar? Und wenn wie machst du das?
Deutsch spreche ich nach 8 Jahren dann doch echt gut, habe auch keinen Akzent mehr, aber es hat viel zu lange gedauert und damals war ich klein und musste unbedingt Deutsch lernen, da in Deutschland eigentlich meine Zukunft stattfinden sollte. Tut es ja auch. Nach dem Abi ziehe ich da ganz sicher wieder hin. Also vor mir liegen 3 Jahre China. Zum Chinesischkurs gehe ich nicht mehr, ist echt eine unnötige Sprache, ich spreche echt genug Sprachen. Und ich hoffe ich komme hier mit Englisch weiter, in HK wird eigentlich echt viel Englisch gesprochen.
Sunna, ich bin am 17.Januar 16 geworden Richtige Verwandte habe ich keine, der Grund weshalb ich mitgekommen bin sind meine Geschwister. Ich hätte zum Beispiel auf ein Internat gekonnt, aber ohne die beiden komme ich nicht klar. Und die wollen meinen Vater nicht alleine lassen. Mein Vater hat jetzt seinen Traumjob und er war schon vorher immer kurz davor gewesen ihn anzunehmen. Meine Mutter war dagegen gewesen, aber ja, jetzt hat sich das geändert.
Der ist momentan nicht wirklich ansprechbar, wenn ich ihn auf das hier anspreche endet das mit Streit oder er hört nicht zu und antwortet kaum. Wenn er in Ruhe gelassen werden will, zeigt er das ganz deutlich und man sollte es auch tun.
Slumdog, ich esse schon die ganze Zeit Glückskekse, wir haben eine Sache nicht bedacht, die Zettel kann man nicht lesen. Naja, ich hau rein da rechts und du haust rein da links? Das mit dem nicht aufgeben habe ich von dir.
Ich wünsche euch allen auch viel Kraft.
Danke auch an euch Berater.
Tomo
Wenn ich sterbe komme ich in den Himmel, denn in der Hölle bin ich schon gewesen.
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fidji91 User am 20.1.2012, um 18.18 Uhr |
Hi Tomo,
Du hast gefragt, ob ich damit klar komme, mehrere geliebte Menschen verloren zu haben. Das geht mal besser und mal schlechter, immer auf und ab. Wenn es mir gut geht, dann versuche ich nicht dran zu denken. Wenn es mir nicht gut geht, versuche ich einfach weiter zu leben. Menschen um mich herum zu haben, finde ich ziemlich anstrengend. Ich versuche, wenn ich im Tief bin, bewusst an die Menschen zu denken, die ich verloren habe und bewusst zu trauern. Dazu sehe ich mir Fotos an oder höre Musik. Manchmal geh ich auch stundenlang spazieren.
Wenn es mir gut geht, verdränge ich tagsüber, aber spätestens abends fange ich an nachzudenken. Über früher und so...
Ich bereite mich gerade aufs Abi vor. Ich hoffe, dass ich mich dann konzentrieren kann.
Ich denke, drei Jahre sind eine "absehbare Zeit", eine Zeit, für die man sich vornehmen kann, etwas auszuhalten...
Ich hoffe, du schaffst es bis zum Abi und wünsche dir viel Kraft.
Was machst du, wenn du besonders traurig bist?
Und -ich weiß, dass diese Frage komisch klingt- kennst du das Gefühl, wenn jede "neue" Beerdigung dich an eine frühere erinnert und gerade mühsam verdrängtes wieder aufbricht?
(Du musst nicht Antworten, wenn du nicht willst)
LG
Fidji91
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Tomo User am 21.1.2012, um 12.58 Uhr |
Hallo Fidji91,
Wenn ich traurig bin brauche ich so viele Leute wie nur möglich. Sonst komme ich aus der Phase nicht mehr raus. Vor allem meine Freunde aus Deutschland haben mich so gut getröstet und abgelenkt. Ablenkung ist auch sehr wichtig bei mir, am besten Sport. Ich mache so eine Mischung aus Buildering und Parkour, was hier in dieser Stadt einfach ehrlich gesagt noch viel besser geht. Dann springe ich schon immer Trampolin. Meine Schule hat mir einen Verein vorgeschlagen, und da gehe ich Montag mal hin. Keine Ahnung ich bin halt sehr sportlich, kann Flicflac, Saltos und so weiter und wenn ich Sport mache gehts mir besser, ich schaffe es mich nur auf den Sport zu konzentrieren. Hast du Hobbys?
So wie du trauerst, macht das meine Schwester auch. Für mich ist das unvorstellbar, wenn ich einem Tief bin, bewusst an die Menschen zu denken. Ich probiers aber glaub ich mal aus.
Ich hasse Beerdigungen, und ich mache mir nicht viel aus Friedhöfen. Ich bin nie gerne zum Grab meines Bruders gegangen, für mich persönlich gibt es nur einen Grund, weshalb man auf einen Friedhof geht, das ist um an den Menschen zu denken. Und das mache ich lieber woanders. Ich verstehe was du meinst, und es stimmt, bei der Beerdigung meiner Adoptivmutter dachte ich nur so F**** da hinten liegt mein Bruder unter der Erde, und genau die gleiche Situation habe ich schon gehabt. Dann habe ich die ganze Beerdigung lang, Beerdigungen die ich bis jetzt erlebt habe verglichen. So überlegt welche die traurigste war und so was. Ich habe jetzt schon so eine Angst vor der nächsten Beerdigung. Die kommt ganz bestimmt irgendwann..
Von meiner ersten Beerdigung habe ich bis heute Abträume. Es begann Nachts, ich war mit ein paar Freunden auf der Suche nach etwas zu essen. Da standen 10 Männer, in weißen Anzügen mit Mundschutz, Gummihandschuhen und hoben Massengräber aus. Wir haben zugesehen. Ein riesen Fehler, ich habe noch jedes einzelne Bild im Kopf und jedes Geräusch und dieser Geruch nach verwesten Leichen. Ich muss mich fast übergeben wenn ich daran denke. Die Leichen lagen dort alle in einer Reihe, von groß nach klein sortiert und in Plastikplanen eingewickelt. Dann haben die Männer die Körper da reingeworfen. Als sie uns bemerkt haben, haben sie uns weggeschickt. Wir würden krank werden und so weiter... Ich habe mir dann von Weiten angesehen, wie die mit einem Bagger Erde auf die 100 - 200 Menschen geschüttet haben, unter denen auch meine Schwestern, meine schwangere Mutter, mein Vater, meine Großeltern, und mein großer Bruder.
Viele Grüße, Tomo.
Wenn ich sterbe komme ich in den Himmel, denn in der Hölle bin ich schon gewesen.
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fidji91 User am 21.1.2012, um 14.44 Uhr |
Hallo Tomo,
Was du vom Trampolin schreibst, kenne ich vom Schwimmen. Das mache ich schon seit ich fünf bin. Im Moment bin ich dreimal in der Woche in der Schwimmhalle und bringe kleinen Kindern Schwimmen bei. Das macht echt Spaß und ist eine tolle Ablenkung. Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass Schwimmen-oder Sport allgemein- "glücklich" macht. Im Sommer werde ich auf jeden Fall wieder morgens vor der Schule schwimmen gehen...
Das mit dem Trampolin Verein klingt doch gut.
Ein weiteres Hobby von mir ist Theater. Das ist für mich wichtig, weil man auch mal aus seinem Leben raus kann. Ich bin eigentlich ziemlich friedlich, durfte aber z.B. auch mal jemanden auf der Bühne "verprügeln". Und es baut mein Selbstbewusstsein wieder auf...
Beerdigungen kann ich auch nicht ausstehen. Als naher Angehöriger steht man am Grab, will eigentlich alles nur schnell hinter sich bringen, alleine sein - und dann kommen zig Leute, die dir die Hand schütteln und "Beileid" oder "Es tut mir leid" sagen, obwohl sie die verstorbene Person vorher mutwillig ausgeschlossen haben...
Anders als du gehe ich gerne auf den Friedhof- aber nur, wenn es dunkel ist und keiner da ist. Dann "unterhalte" ich mich mit Papa oder Opa und erzähle ihm, was mir gerade so durch den Kopf geht... Was ich am Friedhof aber absolut nicht mag, ist, dass wenn das Grab nicht "schön gepflegt" ist, die Leute gleich sagen- "den hatten seine Angehörigen nicht lieb". Ich denke aber auch gerne an anderen Orten als auf dem Friedhof an die Menschen, die ich verloren habe.
Dieses "die gleiche Situation habe ich schon mal gehabt" hatte ich, als im November ein guter Familienfreund gestorben ist. Er wurde in der selben Kirche ausgesegnet und auf dem gleichen Friedhof beerdigt, wie mein Vater. Sogar der Blumenschmuck war vom selben Floristen und das selbe Bestattungsunternehmen organisierte alles. Zur Beerdigung meines Vaters hatte er Flöte gespielt. Es war, als wäre mein Vater ein zweites Mal beerdigt worden...
Ich habe auch Angst vor der nächsten Beerdigung und weiß, dass sie bestimmt kommt.
So wie du die erste Beerdigung, die du erlebt hast beschreibst, kann ich deine Alpträume verstehen...
Ich wünsch dir viel Glück für Montag und den Trampolinverein
Bist du mit deiner Trauer alleine klar gekommen? Oder hattest du ärztliche Unterstützung? (Ignorieren, wenn das zu persönlich ist!)
Lg
Fidji
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Thema: Überfordert in China., eröffnet am 17.1.2012, um 22.09 Uhr |