 Thema: Es holt mich wieder ein..., eröffnet am 30.8.2011, um 22.58 Uhr |
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Evalina User am 30.8.2011, um 22.58 Uhr |
Hallo,
der Tod meines Vaters liegt schon einige Jahre zurück, genauer gesagt war es im Jahr 1999.
Ich selbst war damals sechs Jahre alt.
Kurz nach dem Tod meines Vaters habe ich damals eine Therapie begonnen da ich jede Nacht schreiend aufgewacht und geschlafwandelt bin, am nächsten Tag wusste ich davon nichtsmehr. Dies ging soweit dass ich teilweise nichtmehr bei Freundinnen übernachten sollte da es Zwischenfälle gab bei denen ich z.B. nachts vorm Fenster gestanden habe, weinend & schreiend, nach meinem Vater.
Nach der Therapie ging es mir jedoch viele Jahre wirklich gut und ich hatte es gut verarbeitet, dachte ich zumindest.
Im Dezember letzten Jahres bin ich 18Jahre alt geworden & ich merke das mich das alles immer und immer mehr einholt.
Ich weine öfters als zuvor. Es gibt so viele Situationen in denen ich meinem Vater gerne bei mir hätte und ich merke dass ich, obwohl ich reifer geworden bin, damit immer schlechter umgehen kann.
Es ist keine Seltenheit dass ich Nächte lang nicht schlafe weil mich am Tag etwas an meinen Vater erinnert hat & ich sobald es dunkel und ruhig wird die Tränen nichtmehr halten kann. Es geht soweit dass ich ich im strömendem Regen auf dem Balkon sitze damit meine Mutter nichts merkt.
Das ist auch ein weiterer Punkt. Ich werde bald erneut eine Therapie beginnen aber ich möchte auf keinen Fall dass meine Mutter etwas von meinen momentanen Problemen mitbekommt. Sie ist toll und sie würde mich unterstützen wo auch immer es geht, aber ich möchte es ihr nicht antun weil ich weiß dass sie selber ebenso sehr darunter leiden würde.
Habt ihr vielleicht selber auch solche Erfahrungen gemacht, dass es euch nach langer Zeit wieder einholt?
Ich bin einfach froh mir das ganze einmal von der Seele schreiben zu können..
Seid geraumer Zeit nehme ich jetzt übrigens pflanzliche Beruhigungstabletten, bei denen ich auch merke dass sie mir helfen und ich damit gut runterkomme.
Ansonsten habe ich nach einem Gespräch mit einer Freundin bemerkt dass ich mich vermehrt in "hemmungsloses" feiern geflüchtet habe wenn es mir schlecht ging. (Was man jetzt natürlich auch auf das Alter schieben könnte, aber dies ist bei mir nicht der Fall)
Nachdem ich es eingesehen habe, habe ich dies jedoch wieder eingeschränkt..
Würde mich über eure Erfahrungen und Tipps freuen!
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Esperanza_01 User am 31.8.2011, um 20.47 Uhr |
Liebe Evalina,
ich heiße Julia, meine Mutter ist vor ca. eineinhalb Jahren gestorben.
Ich kann mir gut vorstellen wie sehr dich vieles an deinen Vater erinnert oder wie du dir bei manchen Ereignissen wie deinem 18.Geburtstag seine körperl. Anwesenheit wünschst.
Seitdem meine Mama tot ist hat sich für mich auch vieles verändert (Abi, Studium) was sie natürlich nie lebendig mitkriegen wird.
Das stimmt mich auch immer sehr traurig und ich frage mich dann immer nach dem großen Warum? was aber keiner beantworten kann.
Ich würde dir raten trotzdem mit deiner Mutter darüber zu reden, ich denke nicht dass sie es dir irgendwie übel nehmen würde.
Ihr gehört zusammen und seit die beiden Angehörigen der Familie die "noch übrig" sind und die das gleiche erlebt haben, zwar jeder auf seine Art und Weise aber trotzdem bindet euch dieses Ereignis aneinander.
Sicherlich würde sich deine Mama Sorgen machen, aber ist das verkehrt?
"Geteiltes Leid ist halbes Leid", du hast jemanden mit dem du darüber reden kannst und sie weiß über dich Bescheid und kann dich in verschiedensten Situationen vielleicht besser verstehen.
Ansonsten such dir Hilfe bei deinen Freunden wenn sie dich verstehen!
HAst du sonst noch andere Ansprechpartner?
LG Julia
Lebe..
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Evalina User am 31.8.2011, um 22.00 Uhr |
Erstmal Danke für deine Antwort!
Es tut mir wirklich sehr Leid mit deiner Mama.
Ich kann wohl behaupten dass ich mehrere sehr gute Freunde habe mit denen ich über alles reden kann, jedoch tue ich dies selten. Wahrscheinlich weil ich Angst habe verletztlich zu sein.
Mein Leben gerät seid meinem 18ten Geburtstag immer mehr aus den Fugen & ich bin momentan wieder dabei es hinzubiegen.
Heute habe ich mich ganz aktuell sehr mit meiner Mutter gestritten und ich habe wie so oft das Gefühl einfach weg zu müssen.
Das werde ich jetzt auch tun, ich werde mich jetzt auf den Weg zu einem Freund machen und dort erstmal einziehen.
Es fällt mir einfach so schwer etwas richtig zu machen....
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Paul SupervisorIn am 2.9.2011, um 12.28 Uhr |
Hallo Evalina,
mein Name ist Paul, ich betreue bei YoungWings das Forum, den Chat und die Einzelberaung.
Ich habe gelesen, dass es dir im Moment nicht wirklich gut geht und dass du jetzt erstmal eine Auszeit bei deinem Freund nimmst. Ich hoffe das hilft dir etwas Abstand zu bekommen und dass du dich dann wieder mit deiner Mutter aussprechen kannst.
Du hattest auch geschrieben, dass du den Eindruck hast, mit dem Altern immer schlechter mit dem Verlust deiner Vaters umgehen zu können. Es ist natürlich sehr traurig, das du das so wahrnimmst. Leider geht es dein meisten Betroffenen so, dass sie die Trauer in verschiedenen Lebensabschnitten verarbeiten. Dabei kann natürlich das Gefühl entstehen, dass es immer schlimmer wird und nicht etwa besser.
Ich wünsche dir viel Kraft dabei und hoffe du suchst dir die Unterstützung, die du brauchst. Gerne stehe ich dir hier dabei zur Seite.
Es freut mich auch, dass Esperanza eine Antwort geschrieben hat, vielleicht hat dir das ja schon ein wenig weiter geholfen.
Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende und alles Gute, Paul
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Paul
SupervisorIn
YoungWings
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Smiley1127 User am 28.9.2011, um 20.08 Uhr |
Hallo Evalina,
das mit deinem Vater tut mir leid. Ich habe meinen auch verloren besser gesagt meine Mama auch. Und mir ging es ähnlich. Als ich mit 5 Jahren und 6 Jahren die zwei wichtigsten Menschen verloren habe (schließlich gäbe es mich ohne sie ja nicht). Gab es auch ein paar Dinge die passiert sind. Ich habe zum Beispiel jede Nacht in die Hosen gemacht, war total schüchtern und verschlossen, was mittlerweile immer besser wird. Und bei einer Psychologin war ich auch schon mal, da war ich ca. 10, 11 oder 12. Hatte aber nicht viel gebracht, weil ich den Sinn nicht wirklich verstanden hatte, also nicht wusste was ich bei ihr machte. Und dann so mit 11, 12 Jahren als ich in die Pubertät kam, kam es wieder hoch alles. Es geht vielen so. Es ist ja sowieso eine komplizierte Zeit. Und manche Tage sind wirklich dunkel, traurig und hoffnungslos. Normalerweise denke ich positiv und lache mega viel. Teilweise überspiele ich es vielleicht auch. Ich kann vor anderen nicht weinen oder meine Gefühle zeigen und das mache ich dann daheim, meist Abends. Aber es ist besser seit ich überhaupt weine und auch hier immer wieder mal schreibe. Es tut gut. Ich habe auch überlegt eine Therapie zu machen aber so viel Zeit habe ich erst mal nicht. Und manchmal gibt es eine Zeit in der einfach alles total traurig und depri ist. Leider ist es dann mal nicht nur ein Tag sondern mal länger. So geht es dir doch im Moment oder?
Redest du mit jemandem darüber oder versuche es mal mit Ablenkung und lass die Gefühle einfach zu.
Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen.
Liebe Grüße Smiley1127
Begrenzt ist das Leben, doch unendlich ist die Erinnerung.
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Evalina User am 12.10.2011, um 21.21 Uhr |
Erstmal Danke für eure Antworten.
War die letzte Zeit nicht oft hier drinne, habe viel um die Ohren.
Muss jetzt gleich los zu Arbeit, deshalb kommt eine ausführliche Antwort morgen.
Morgen ist wieder so ein Tag vor dem ich Angst habe. Morgen hat mein Papa Geburtstag.
Ich glaube ich habe mir in all den Jahren nie so viele Gedanken darum gemacht wie dieses..
Da mein Papa eingeschert und übers Meer verstreut wurde haben wir damals in der Nähe bei uns einen Birnenbaum gepflanzt. Erstens da er Birnen so gerne gegessen hat und zweitens damit wir einen Ort haben wo wir ihm "Nahe" sein können.
Auch dort werden wir es morgen wohl leider nicht hinschaffen, da meine Mama lange arbeiten muss.
Habe zwar Freunde die mich hinfahren würden, aber ich möchte schon gerne mit meiner Mama zusammen dahin, schließlich ist es für sie ein ebenso trauriger Tag, auch wenn sie es versucht nicht zu zeigen...
Werde euch morgen berichten
LG Alina
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Smiley1127 User am 14.10.2011, um 20.00 Uhr |
Hallo,
ja das geht mir auch an solchen Tagen oft so. Es ist meist wahrscheinlich so, dass wir uns zu viele Gedanken um diese Tage machen. Also ich habe festgestellt, dass ich mir keinen Druck machen sollte und mir überlegen sollte was genau ich an dem Tag mache.
Die Idee mit dem Birnenbaum finde ich richtig gut. Toll so einen Ort zu haben. Ich finde es auch schön, dass du mit deiner Mutter dort hin möchtest. Klar, dass sie ihre Gefühle versteckt, ich tue es auch nie. Verstehst du sicher auch oder?
Du hast geschrieben, dass du Freunde hast aber mit ihnen nicht darüber redest. Da haben wir ja das selbe Problem. Meine Freundin versucht es mittlerweile öfter und fragt was bei mir so los ist. Aber das Thema lasse ich irgendwie. Genau aus Angst verletzt zu werden und dass sie es vielleicht nicht verstehen kann, weil es ja schon länger her ist. Ist das bei dir auch so???
Bis bald Smiley1127
Begrenzt ist das Leben, doch unendlich ist die Erinnerung.
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 Thema: Es holt mich wieder ein..., eröffnet am 30.8.2011, um 22.58 Uhr |